Theater und Darstellendes Spiel an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Göttingen

Bericht einer "gelungenen Sache":
Sehr bescheiden haben wir mit einer Theater-AG der Sek II vor ein paar Jahren angefangen. Improvisationen und kurze Aufführungen zu Entlassungsfeiern waren ein Spiegel engagierter, aber zeitlich eingeschränkter, Arbeit; zwei AG-Stunden nach der 9. Stunde - das ist nicht viel. Immerhin, am Ende stand die Premiere von "Kloß im Hals" (Grips-Theater, Berlin). Dann ging alles sehr schnell: Antriebsfeder waren - neben der Arbeit der KollegInnen - besonders die Nachfragen der SchülerInnen: "Können wir sowas nicht auch mal machen?", die nach den Aufführungen des ersten größeren Stückes überall zu hören waren, und die Unterstützung der Schulleitung, die sich erfolgreich um Einstellung von entsprechend vorgebildeten Lehrkräften bemühte. Besonders durch die engagierte Arbeit von Susanne Weller, die als freie Schauspielerin und Regisseurin mit einem ABM(!)-Vertrag seit gut zwei Jahren an unserer Schule tätig ist und durch die Einstellung der ehemaligen Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters vom Deutschen Theater Göttingen, Sigrid Kucz, die glücklicherweise auch Lehrerin ist, expandierte der Theaterbereich mit hoher Beschleunigung. Außer den beiden genannten Kolleginnen bringt Mischa Drüner langjährige Profi-Erfahrungen mit, Wolfgang Schiller ergänzt als Fachbereichsleiter für Musisch-kulturelle-Bildung das Angebot und ist besonders bei Produktionen mit Musik beteiligt.
Nach Teilnahme an den Schultheatertagen des Deutschen Theaters, Göttingen und an der Schultheater-Woche in Braunschweig bildete die Einführung des Faches "Darstellendes Spiel" für die Sek II zu Beginn des laufenden Schuljahres den formalen Höhepunkt der "dramatischen" Entwicklung.
Inhaltlich gab es mehrer Höhepunkte in den letzten zwei Jahren. Allein die Zahl von 14 unterschiedlichen Produktionen soll dies illustrieren.
Dieser kleine Bericht kann eigentlich nur Mut machen, dass - einmal in Gang gesetzt - Schultheater zu einem Bereich werden kann, der die gesamte Schule begeistert. Besonders die Zusammenarbeit des Theaterbereiches mit anderen Unterrichtsfächern hat sich als sehr fruchtbar erwiesen. Eindrucksvoll zeigte dies die Inszenierung von "Kosovo-das Leben danach" von Susanne Weller, die in Zusammenarbeit mit einem Politik-Kurs der Sek II entstanden ist.
In diesem Heft geht es vornehmlich um die Sek I, eine kurze Listung soll aufzeigen, was in zwei Jahren intensiver Arbeit für ein Angebot entstehen kann, das von den SchülerInnen sehr gut angenommen wird - die Thater-Kurse sind ständig "ausgebucht". Aktuell laufen an unserer Schule - neben dem Kursangebot der Jgg. 11 - 13 die folgenden Veranstaltungen:
Jg. 5 (AG) "Die Neue", ein Stück um Freundschaft und "stark werden", Text und Regie: Susanne Weller,
Jg. 6 (AG) "Ein Fall für zwei", Text und Regie: Sigrid Kucz,
Jgg. 7/8 (Projekt) "Sixty-six- Das Tanzstudio" Text und Regie: Susanne Weller,
Jgg. 7/8 (Projekt) "Mit mir nicht", nach Motiven aus "Das Mädchen im Espenbaum" (Staffan Göthe), Text und Regie: Sigrid Kucz,
Jgg. 7/8 (Projekt) "Wonderfull World?!?", nach Motiven aus "Unsichtbare Freunde" (Alan Ayckbourn), Text und Regie: Sigrid Kucz,
Jg. 9 (Projekt) "Und heute?", eine Auseinandersetzung mit "Jugend im Dritten Reich" in Kooperation mit einem Politik-Kurs, Text und Regie: Susanne Weller.
"Ein Fall für zwei" und die Produktion des Kurses Darstellendes Spiel in Jg. 12, "Das Tuch", Text: Susanne Weller, Regie: Weller/Schiller fahren im März zur Schul-Theater-Woche nach Braunschweig, diese Woche spielt die LehrerInnen-Theater-AG der Geschwister-Scholl-Gesamtschule dreimal eine 20er-Jahre Revue im Forum unserer Schule (Text und Regie: Susanne Weller) - es ist immer etwas los.
Was noch zu erwähnen ist: Schulleitung und andere Fachbereiche (z. B. AWT, Musik, Kunst, Textil), der "Freundeskreis" der Schule unterstützen unsere Arbeit erheblich, unser Forum wurde mit "Bordmitteln" in zähem Ringen um Gelder mit Licht und Ton ausgestattet. Es existiert eine enge Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendtheater des Deutschen Theaters, Göttingen; einige unserer SchülerInnen spielen inzwischen auch dort. Seit letztem Jahr kooperieren wir mit der Saline Luisenhall, die uns in einer "historischen Industrieanlage" Räume zur Verfügung stellt und für die wir - z. B. beim Tag des Denkmals - spielen. Es gibt an unserer Schule "Thaterschülersprecher", die einen engen Kontakt zu den Göttinger Theatern pflegen.
All dies ist keine Reklame, der Beitrag soll ermutigen, zeigen, dass es geht - Theater muss sein-!
Wolfgang Schiller
(Fachbereichsleiter Musisch-kulturelle Bildung)
(veröffentlicht in „SchulTheaterInfo Niedersachsen“, Nr. 19 3/2002, S. 17/18 unter dem Titel: „Ein Fall für Nachahmer – oder Theater muss sein!“
